
Mit seiner reduzierten Materialpalette, der gestuften Form und der gelungenen Einbettung in die Parkanlage ist das Gemeindehaus von Theo Hotz und Max Kollbrunner ein Zeitzeuge der Schweizer Architektur der frühen 1960er Jahre. Mittlerweile ist der Bau etwas in die Jahre gekommen und muss energetisch saniert werden.
Chronologie
1963 wurde das evangelische Kirchgemeindehaus von Theo Hotz und Max Kollbrunner realisiert. Der Bau erfolgte nach einem Wettbewerbsverfahren, das bereits 1958 durchgeführt wurde. Das Gemeindehaus wurde 1988 leicht umgebaut, wobei einige Elemente im Innenhof verändert wurden. 2017 gewannen die Architekten Donatus Lauener und Brian Baer einen Wettbewerb für die Sanierung und Erweiterung, doch wurde das Projekt nicht weiterverfolgt. Das Gemeindehaus ist kürzlich in das Inventar der denkmalgeschützten Gebäude mit der Einstufung „wertvoll“ aufgenommen worden.
Lage
Der Bau liegt inmitten einer grosszügigen und fein terrassierten Parkanlage im Zentrum von Kreuzlingen. Entlang der südlichen und östlichen Grundstücksgrenze verläuft die Bärenstrasse, die den Übergang zur grossvolumigen Bebauung für Industrie und Schule bzw. zur kleinteiligen Struktur einer Einfamilienhaussiedlung bildet. Den nördlichen Abschluss bildet ein Alterszentrum. Im Westen liegt das Pfarrhaus. Prägend für das Gebiet sind die flache Volumetrie des Gemeindehauses, der ausdrucksstarke Turm der evangelischen Kirche, das parkartige Gelände und der grosse Baumbestand.
Beschreibung
Der eingeschossige Bau integriert sich durch seine Rücksprünge, Vordächer und Abstufungen sowie seiner abwechslungsreichen Dachlandschaft in die umgebende Parkanlage. Die Farbgebung der Fassade trägt ebenfalls dazu bei. Der grosse Saal verzeichnet die grösste Raumhöhe und ist als Kubus im Dach sichtbar. Der kleinste Raum ist das umgebende Foyer. Dies ist in der Dachlandschaft als stufenförmiger Wechsel zu erkennen. In der Mitte des Dachs erhebt sich über dem Innenhof eine Glaspyramide. Der Haupteingang befindet sich auf der Südseite. Die Fläche davor dient als Aufenthaltsbereich. Die Horizontalität des Gebäudes wird durch seine flache, scheibenförmige Volumetrie, sowie grosszügige, bandartige Fensterverglasung betont. Im Sockelbereich und Innenraum werden umfassend Klinker angewendet. Ausserdem kommen Sichtbeton, Glas, und Holz zum Einsatz. Das Rot der Ziegel kontrastiert mit dem Besenstrichputz. Die Fenster sind aussen rot und innen weiss umrahmt. Das Dach schliesst mit Kupferbändern ab.
Das Gebäudeinnere wirkt eher dunkel. Einzige Lichtquelle im Eingangsbereich ist der Innenhof. Er wurde 1988 mit einer Stahl- und Glaskonstruktion überdacht und dient heute als Sitzungs- und Aufenthaltsraum. Der Innenausbau wurde sorgfältig ausgeführt. Klinker dienen als Bodenbelag, Sockel, sowie in den Nasszellen als Waschtischabdeckung. In den Sälen und Unterrichtsräumen wird Holzparkett angewendet. Um den Innenhof angeordnet gibt es mehrere Unterrichts- und Sitzungsräume, sowie einen grossen, unterteilbaren Saal mit einer Bühne. Je nach Funktion haben die Räume unterschiedliche Höhen und Belichtungssituationen.
Literatur
- Rucki, Isabelle u. Huber, Dorothee. Architektenlexikon der Schweiz. 19./20. Jahrhundert. Basel 1998.
- Adam, Hubertus u. a. Theo Hotz. Architecture 1949-2002. Baden 2003. S. 236
- air architekten. Anpassung und Erneuerung Evangelisches Kirchgemeindehaus Kreuzlingen. Aufwertung des Kirchenareals. Anonymer Projektwettbewerb im selektiven Verfahren. Wettbewerbsprogramm 2017 (online)
- Leuch, Thomas. Infoveranstaltung Kirchgemeindehaus. Evang. Kirche Kreuzlingen 2019 (online)