
ehem. Kaufmännische Berufsschule St. Ursus
Adresse
5400 Baden
AG
Das ehemalige St. Ursus Schulhaus gehört zu den Gebäuden in Baden, die in den Formen des Neuen Bauens gestaltet wurden. Anregungen gingen in diesem Fall von der Volksschule Römerstadt in Frankfurt aus. Das moderne Erscheinungsbild des Gebäudes in einem traditionell geprägten Quartier markiert die fortschrittlichen Tendenzen in der damaligen Architektur Badens.
Chronologie
Die Schule wurde vom Architekturbüro Gantner und Obergfell für den Kaufmännischen Verein Baden geplant. Nach einem Jahr Bauzeit konnte sie im Oktober 1932 bezogen werden. Zwischen 1983 und 1984 unternahm Otto Dorer einen ersten Umbau, zu dem eine Umwandlung der ehemaligen Abwartswohnung in Schulräume gehörte. Später wurde das Gebäude durch andere Institutionen genutzt. Letzte Umbauten erfolgten 2003. Seither befindet sich eine Tagesklinik und ein Tageszentrum der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) im Gebäude.
Lage
Der Bau liegt westlich der Altstadt in einem Wohnquartier am Hang des Martinsbergs. Zu Fuss ist er vom Bahnhof Baden in fünf Minuten erreichbar. Die danebenliegende Haarnadelkurve der Rütistrasse führt vom Ort hinauf zur Ruine Stein. Das Gebäude ist rundum begehbar und im Osten und Westen mit Sitzmöglichkeiten im Freien versehen. Durch die Hanglage sowie die Bepflanzung um den Bau passt sich der Baukörper trotz seiner imposanten Erscheinung in die von traditioneller Architektur geprägte Umgebung ein. Richtung Südosten bietet die grosszügige Befensterung einen Blick über die Stadt und Ennetbaden.
Beschreibung
Der winkelförmige Baukörper mit seinem über alle Geschosse verglastem Treppenturm ist flach gedeckt und verfügt über eine Dachterrasse. Er umfasst drei Etagen sowie ein zusätzliches Kellergeschoss, wobei das Sockelgeschoss sowie einen Teil des Eingangsgeschosses in den Hang hineinragen. Der Eingang des Gebäudes ist über eine Treppenanlage von der St. Ursusstrasse her erreichbar. Der graue, grobkörnige Verputz der Fassade in Kombination mit den blau gestrichenen Metallrahmen der rechteckigen, breiten Lochfenster verleiht dem Bau eine eher kühl wirkende Atmosphäre. Das Sockelgeschoss hat auf der Nordseite kleinere Lochfenster. Für die Verschattung der Fenster kommen Stoffstoren in einem hellen Braunton zum Einsatz. Die Materialisierung und Farbgebung der Fassade steht im Kontrast zu den eher warm gehaltenen Materialien und Farbtönen der Innenräume.
Im Eingangsgeschoss gelangt man vom Foyer einerseits in eine Küche mit angrenzendem Essraum und andererseits in die ehemalige Einliegerwohnung. In den oberen Geschossen befanden sich früher insgesamt vier nach Südosten ausgerichtete Unterrichtsräume sowie Lehrerzimmer und weitere Räumlichkeiten auf der gegenüberliegenden Seite. Die schlicht gestalteten Innenräume sind primär von rotbraunem Klinkerboden sowie dem gelben Wandanstrich in den Erschliessungsflächen geprägt. Teils wurde sonst ein Gussboden und weisser Verputz für die Wände verwendet. Die Auflagen des Denkmalschutzes bewahren die Strukturen des Gebäudes sowie die Hauptmaterialien im Aussen- und Innenraum.
Literatur
- Haller, Rolf; Rieser, Josef. Das neue Schulhaus Kreuzliberg der Handelsschule des KV Baden, in: Badener Neujahrsblätter 57 (1982), S. 77–81 (online)
- Affolter, Claudio. Architekturführer der Stadt Baden, Baden 1995, S: 100
- Affolter, Claudio u.a. Neues Bauen im Kanton Aargau 1920–1940, Baden 1996, S. 66–67
- Stadt Baden. Verzeichnis der Baudenkmäler, 2011, S. 80 (online)