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    Architekturbibliothek

    Im Februar 2019 ging nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase die Architekturbibliothek, das Lexikon der Schweizer Architektur von 1920 bis heute, online. Das Nachschlagewerk schliesst eine wichtige Informationslücke, erreicht eine breite Öffentlichkeit, vor allem jedoch sind alle Studierenden der Fachrichtungen Architektur und Innenarchitektur der Hochschule Luzern an diesem Wissenschaftsprojekt beteiligt. Die Architekturbibliothek ist zugleich auch ein Architektenlexikon und ein frei zugängliches, qualifiziertes Bildarchiv zur zeitgenössischen Architekturfotografie, was in dieser Form bislang einzigartig ist.

    Ausgangssituation

    Seit fast 100 Jahren wird die Schweizer Architektur in der Reihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» ausführlich dokumentiert. Dem Entstehungszeitpunkt des Projekts und der erforderlichen Kontinuität entsprechend werden hierin bis heute fast ausschliesslich Bauwerke erfasst, die vor 1920 entstanden sind. Auch das folgende «Inventar der neueren Schweizer Architektur INSA» hielt an der 1920er-Grenze fest und liess damit die Moderne und ihre Nachfolger weitgehend ausser Acht.

    In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen die kantonalen Fachstellen für Denkmalpflege systematisch Denkmäler zu erfassen. Der Schwerpunkt lag dabei anfänglich ebenfalls auf historischen Wahrzeichen. Erst in den letzten Jahren werden diese Denkmalinventare auch um die Architektur des 20. Jahrhunderts ergänzt. Einige kantonale Fachstellen arbeiten mit der fixen Grenze 1980, andere mit der zeitlichen Distanz einer Generation, mit 30 Jahren. Wertvolle Pionierarbeit für die moderne Architektur leistete auch das Autorenteam um Christa Zeller mit einem dreibändigen Schweizer Architekturführer, der von 1920 bis 1990 reicht. Die fundierte Architekturdokumentation endet in der Schweiz bislang demzufolge in den 1980er-Jahren.

    All diesen überaus wertvollen Beiträgen gemein ist, dass sie in der heutigen, schnelllebigen Informationswelt kaum wahrgenommen werden. Auch wenn sie den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln, sind Publikationen, die im letzten Jahrtausend erschienen sind, im Buchhandel nicht mehr präsent, und Quellen, die nur in Amtsstellen oder Staatsarchiven einsehbar sind, nach heutigen Massstäben schlecht zugänglich. Ihre Reichweite beschränkt sich somit auf engste Fachkreise.

    Das «Historische Lexikon der Schweiz HLS» wie auch das «SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz» haben dieses Problem bereits vor Jahren erkannt und ihre Themen auf niederschwellig erreichbare und einfach nutzbare Onlineplattformen ausgelagert. Dies ist wahrscheinlich auch das Anliegen der grösseren Fachstellen für Denkmalpflege. Die in den kantonalen Strukturen verankerte Darstellung ist jedoch zu komplex, als dass eine breite Öffentlichkeit Zugang finden würde. Hinzu kommt der Föderalismus: Es ist nicht abzusehen, dass aus der kantonalen Vielfalt jemals ein einheitliches Schweizer Werkzeug geformt wird. Dies gilt auch für die vielen, äusserst interessanten regionalen Architekturführer und Auszeichnungen, die von Institutionen, Interessengruppen oder Verbänden publiziert und vergeben werden.

     

    Quo vadis?

    Gesucht ist also ein Träger mit Format, der langfristig eine qualifizierte Onlinedokumentation der Schweizer Architektur leisten kann, sowie engagierte Architekturfotografinnen und Architekturfotografen …

    Und das sind wir: Das Institut für Architektur der Hochschule Luzern, die grösste Fachhochschule unserer Disziplin in der Schweiz. Seit Jahren arbeiten wir daran, die Schreibkompetenz unserer Studierenden zu fördern und sie in wissenschaftliches Arbeiten einzuführen. Unsere Studierenden absolvieren Kurse in Fotografie und in Bildbearbeitung, lernen professionell mit Rohdaten umzugehen. All diese Übungen waren bislang Selbstzweck. Mit der Veröffentlichung in der Architekturbibliothek erhalten die Übungen einen übergeordneten Sinn, was auf die Studierenden ungemein motivierend wirkt: Ihre Beiträge werden Teil des öffentlichen Fachdiskurses. Allerdings nicht in der studentischen Fassung. Um die Qualitätsansprüche eines Lexikons zu gewährleisten, benötigt es eine fundierte redaktionelle Überarbeitung von Texten und Bildern.

    Die Architekturbibliothek ist das erste Wissenschaftsprojekt an der Hochschule Luzern, an dem alle Studierenden der Institute Architektur und Innenarchitektur beteiligt sind. Das Projekt ist in das Pflichtmodul Visuelle Komposition eingebunden und wird von den Dozierenden für Architekturgeschichte, Marion Sauter, und Fotografie, Markus Käch, getragen. Jeder der etwa 140 Studierenden jährlich dokumentiert ein Schweizer Bauwerk. Das Curriculum sieht dafür jeweils rund 20 Stunden Arbeitszeit vor – ein gewaltiges Potenzial.

    Architekturbibliothek

    Die Architekturbibliothek sammelt Baudokumentationen von Schweizer Gebäuden, die seit 1920 entstanden sind. Damit werden die Moderne und ihre Nachfolger zu einem schlüssigen Gesamtpaket zusammengefasst. Unser Alleinstellungsmerkmal ist – neben der attraktiven Darbietung und der niederschwelligen Zugänglichkeit unter anderem auch auf Instagram – die Dokumentation der Architektur von 1980 bis in die 2000er-Jahre, der Zeit vor der allumfassenden Digitalisierung, deren Vertreter in der gedruckten wie medialen Präsenz bislang kaum vertreten sind.

    Wir wählen in engem Austausch mit lokalen Expertinnen und Experten etwa ein Bauwerk auf 2‘000 bis 2‘500 Einwohner für die Architekturbibliothek aus und bilden damit bewusst auch den ländlichen Raum ab. In den drei kleinen Innerschweizer Kantonen Uri, Nidwalden und Obwalden sind dies jeweils etwa 20 Bauwerke, auf den Kanton Luzern entfallen so beispielsweise gut 160 Bauwerke. Und wir arbeiten uns etappenweise weiter durch die Schweiz …

    Die Architekturbibliothek ist eine Sammlung, die jederzeit ergänzt werden kann. Wir erheben nicht den Anspruch ein Inventar zu sein und formulieren kein fixes «best-of». Die Architekturbibliothek ist einfach ein fundiertes Nachschlagewerk, das es beispielsweise ermöglicht, nach Architekten oder Bautypen, nach Regionen oder im Volltext zu suchen und das im Handumdrehen eine anschauliche Übersicht liefert. Die Wegleitung führt über Fotografien – der erste Blick bringt einen ersten Eindruck.

     

    Synergien: Bildarchiv und Architektenlexikon

    Parallel dazu entsteht das erste frei zugängliche, qualifizierte Bildarchiv zur modernen und zeitgenössischen Schweizer Architektur. Qualifiziert, weil sämtliche Eckdaten und Urheber dokumentiert sind. Es ist ein ehrliches Bildarchiv: Es dokumentiert den Alltag und auch die Rückseiten der Bauwerke, nicht nur deren Schokoladenseiten, wie sie vor dem Bezug und noch frei von Bewuchs und Patina für Fachzeitschriften in Szene gesetzt werden.

    Parallel dazu entsteht aber auch ein Architektenlexikon, das das gedruckte Standardwerk von 1998 ergänzt und fortführt. Dies wurde erforderlich, um die Architekturbüros beziehungsweise die immer häufiger in wechselnden Konstellationen tätigen Architektinnen und Architekten als Urheber der Bauwerke unserer Bibliothek korrekt darstellen zu können. Die erstmalige, systematische Aufgleisung der Schweizer Architekturbüros ist ein relevanter wissenschaftlicher Beitrag.

     

    Dank

    Ein derartiges Projekt auf den Weg zu bringen ist nur mit umfassender Unterstützung möglich. Mein Dank geht an die Leitung der Hochschule Luzern – Technik & Architektur sowie an die Kolleginnen und Kollegen, die tatkräftig handelnd oder konstruktiv diskutierend massgeblich zum Erfolg der Architekturbibliothek beigetragen haben, allen voran Hansjürg Buchmeier und Markus Käch. Ebenso an unsere Sponsoren, allen voran dem Bundesamt für Kultur BAK, der Ernst Göhner Stiftung und der Stiftung zur Förderung der Hochschule Luzern.

    Aber es braucht noch viel mehr: Kritische Leserinnen und Leser, die uns Rückmeldungen und Anregungen geben und sich so in das Heer der Expertinnen und Experten einreihen, die uns bislang inhaltlich unterstützt haben: info@architekturbibliothek.ch!

    Wir hoffen, Ihnen ein gutes Werkzeug geformt zu haben um die Schweizer Baukultur zu entdecken. Ich habe bereits unter unseren ersten Beiträgen viel Wegweisendes entdeckt – anbei ein paar meiner Lieblinge.

    Marion Sauter

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