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    Neben Otto Dreyers Hauptwerk, der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, gelten die Kirche St. Josef wie auch die 1938 entstandene Kirche St. Theodul in Littau als seine wichtigsten Bauten. Die schlichte aber prägnante Architektursprache Dreyers steht für einladende, qualitätvolle Räume. Der späteren Umnutzung kommt in der Innerschweiz eine Vorreiterrolle zu.

    Chronologie

    Seit dem frühen 20. Jahrhundert wird oberhalb des Rotsees sowie entlang der Zürichstrasse intensiv gebaut. Es entstanden neue Wohnquartiere, Gewerbe- und Industriebetriebe sowie ein Schulhaus. Trotz der wirtschaftlich prekären Lage im Zweiten Weltkrieg konnte 1941 die katholische Kirche St. Josef nach Plänen Otto Dreyers realisiert werden. Die Kirche führte zu einer Aufwertung und zur kirchlichen Eigenständigkeit des Maihofquartiers. 1951 konnte auch der freistehende Kirchturm ergänzt werden. Seit 2009 steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Diesem Anspruch entsprechend wurde die Kirche St. Josef im Jahr 2013 von gzp Architekten sensibel saniert und mit dem benachbarten Pfarreiheim verbunden.

    Lage

    Die Kirche St. Josef liegt südlich des Rotsees an der Weggismattstrasse. Zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Pfarreiheim und dem Kirchturm formt sie ein repräsentatives, städtebauliches Ensemble. Die Kirche ist leicht aus der Ost-West-Achse gedreht. Im Sockelgeschoss befindet sich eine vom Kirchenmaler Ferdinand Gehr ausgemalte Taufkapelle und ein Gemeindesaal, der heute als Kindergarten genutzt wird. Die Anlage umfasst zwei Vorplätze, vor dem Haupteingang und an der Strasse gelegen, und wird durch eine grosszügige Freitreppe auf der Südseite erschlossen.

    Beschreibung

    Der schlanke Baukörper wird von einem flachen Satteldach gedeckt. Das Schiff und die Eingangsseite sind mit einem niedrigen Vorbau gefasst, der einerseits den Vorraum, andererseits die Seitenschiffe beinhaltet und zugleich den Übergang vom Schiff zum Chor markiert. Hier verdichten sich die hoch angesetzten rechteckigen Fenster zu einer grossen Fensterfläche. Die Eingangsfront ist mit einer grossen Rosette durchsetzt, die Seitenschiffe mit kleineren Okuli. Entworfen wurde die Rosette von Anton Flüeler, ausgeführt von Eduard Renggli. Der Vorbau lagert im Süden auf Säulen und formt so einen gedeckten Eingangsbereich für den ehemaligen, tiefer gelegenen Gemeindesaal. Die Kirche St. Josef überzeugt mit einer zurückhaltenden beigen Farbigkeit. Die grobe Putzstruktur erzeugt ein bewegtes Licht-Schatten-Spiel. Der Kirchturm steht südwestlich der Kirche. Seine Fassaden bestehen aus einem fein durchbrochenen Betonrelief. Dieses ist im Bereich der Schallarkaden in die Negativform gekehrt. Auf die Gitterstruktur ist eine flächige Kirchenuhr gesetzt. Der Turm schliesst mit einem auskragenden Flachdach. Das Kreuz gründet auf einer Plastik mit vier waagrecht schwebenden Engeln des Bildhauers Franco Annoni.

    Der basilikale Innenraum und der um fünf Stufen erhöhte Chorbereich sind äusserst schlicht, lichtdurchflutet und wirkungsvoll. Akzente setzen die leicht gewölbte Holzdecke, die mit farbig abgesetzten Leisten und Querbändern versehen ist, und die massiven Säulen, welche Schiff und Seitenschiffe trennen. Die 14 Kreuzwegstationen, gegossene Zementreliefs, stammen von August Bläsi und rahmen die Okulis. Die Orgel verbirgt sich in einem Annex an der nördlichen Chorseite. Die im Winkel geformte Chorbrüstung bildet eine Kanzel, geschmückt mit einem Relief von Albert Schilling. Bei der Sanierung 2013 wichen die Kirchenbänke einer freien Bestuhlung und es wurden eine Boden- und eine Warmluftheizung eingebaut. Der Tabernakel von Albert Schilling wurde an die Stirnwand über den neuen Altar an die Stirnseite des südlichen Seitenschiffes gesetzt. Die Kirche erhielt ausserdem ein neues Lichtkonzept und Stoffrollos, um vielfältige Nutzungen zu ermöglichen.

    Literatur

    Brentini, Fabrizio. Neue Sakralbauten in Luzern. in: Karton, Nr. 29, 2014, S. 8–11. – Gmür, Otti. Architekturführer Luzern Spaziergänge durch Raum und Zeit. Luzern 2003, S. 147. – Rucki, Isabelle; Huber, Dorothee (Hg.). Architektenlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert. Basel 1998, S. 149. – Zeller, Christa. Schweizer Architekturführer 1920–1990. Nordost- und Zentralschweiz (Bd. 1). Zürich 1996, S. 262. – Ineichen, Hannes; Zanoni, Tomaso (Hg.). Luzerner Architekten. Architektur und Städtebau im Kanton Luzern 1920–1960, Bern/Zürich 1985, S. 36–27. – Niederberger, Claus. Neue Architektur im Kanton Luzern seit 1930, in: Unsere Kunstdenkmäler. Mitteilungsblatt für die Mitglieder der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte 2/1978, S. 255. – Dreyer, Otto. Neubau der St. Josefs-Kirche im Maihof, Luzern, in: Eternit im Hoch- und Tiefbau 12/1941, S. 151–153. – Pfarrei St. Josef, Luzern (Hg.). Informationsblatt. Künstlerische Akzente. Luzern o.J. – Denkmalpflege und Archäologie (Hg.). Kantonales Bauinventar Luzern.

    Themen

    Stand
    2017
    Bearbeitung
    Manuela Bucher

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