
Die als Shopville bekannten unterirdischen Passagen des Hauptbahnhofs Zürich sind ein zentraler Bestandteil der Bahnhofsinfrastruktur. Sie verbinden Verkehrsflächen mit Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Als wichtiger Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr und Einzelhandel ist das Shopville funktional und gestalterisch auf hohe Passantenzahlen ausgerichtet. Die dafür erforderlichen komplexen Anforderungen wurden in den 1990er-Jahren von Trix und Robert Haussmann in Architektur umgesetzt. Ihre Gestaltung bietet zugleich einen ordnenden Rahmen, orthogonale Wegeführung und prägnante visuelle Orientierung.
Chronologie
Mit dem Bau der Zürcher S-Bahn in den späten 1980er-Jahren wurde der Hauptbahnhof vom Kopf- zum Durchgangsbahnhof umgestaltet. Zwischen 1990 und 1991 entwickelten Trix und Robert Haussmann das Konzept für das heutige Shopville. Von 2010 bis 2014 erfolgten Erweiterungen, insbesondere im Bereich der Passage Löwenstrasse. Auch spätere Anpassungen und Umbauten beeinflussen heute das Erscheinungsbild des weitläufigen Einkaufs- und Verbindungsraums.
Situation
Das Shopville erstreckt sich unter dem Hauptbahnhof und umfasst die Passage Löwenstrasse, die Halle Landesmuseum sowie die Halle Plaza. Anbindungen an den Bahnhofsplatz im Süden, die Tramhaltestelle Bahnhofsquai im Osten, das Landesmuseum im Norden und die Gessnerallee im Südwesten gewährleisten eine nahtlose Verbindung zur Innenstadt.
Description
Bei allen Durchgangszonen des Zürcher Hauptbahnhofs handelt es sich um Innenräume, die den klimatischen Bedingungen des Aussenraums ausgesetzt sind. Dies gilt auch für die Passagen des Shopville. Regelmässig angeordnete Pfeilerelemente schaffen dort eine klare Abgrenzung und ordnen die einzelnen Geschäftseinheiten. Innerhalb dieses architektonisch festgelegten Rahmens entstehen durch unterschiedlich gestaltete Ladenflächen vielfältige räumliche Eindrücke. Ein bewusst eingesetzter Hell-Dunkel-Kontrast unterstützt selbst bei intensiver Nutzung ein frisches Erscheinungsbild. Die Hauptmaterialien Marmor und Granit erfüllen sowohl funktionale Anforderungen hinsichtlich Langlebigkeit und Pflege als auch gestalterische Ansprüche. Die differenzierte Gestaltung der Bodenflächen erleichtert zusätzlich die Orientierung. Im Zwischengeschoss, in unmittelbarer Nähe zur Bahnhofshalle, befinden sich die Gepäckschliessfächer. Teils eingesetzte spiegelnde Deckenflächen lassen niedrige Räume höher erscheinen, als sie tatsächlich sind. Weithin sichtbare, farbig leuchtende Akzente markieren im Untergeschoss einige der Ausgänge. Der Hallenbereich in Richtung Landesmuseum wurde als städtischer Strassenraum interpretiert. Die dort eingesetzte Bodenzeichnung definiert einen Platz mit Zugängen zu den tieferliegenden Gleisen. Die zentrale Halle, die als „Plaza“ bezeichnet wird, bildet einen markanten Knotenpunkt zwischen den drei Ebenen des Bahnhofs. Sie werden durch lange Rolltreppen miteinander verbunden. Als gestalterisches Prinzip wurde eine offene Konstruktion gewählt, die sich auch bei den Liften zeigt. Diese transparente und funktionale Bauweise nimmt Bezug auf die mechanische Welt der Eisenbahn und schlägt eine Brücke zwischen ihrer langen Tradition und der Moderne.
Bibliographie
- Shopville, in: Wikipedia (online)
- Wottreng, W. Das Zentrum HB Südwest, Vorprojekt für die Baueingabe, 1991 : Architekten : Ralph Baenziger Architekten AG, in: Werk, Bauen + Wohnen 78 (1991), Heft 3, S. 62–63 (online)
- Haussmann, Robert, Haussmann, Trix, Stierli, Hansruedi. Hauptbahnhof Zürich: Halle und Passagen, in: Schweizer Ingenieur und Architekt 108 (1990), Heft 48, S. 1385–1390 (online)
- Huber, Werner. Unheil in der Unterwelt, in: Hochparterre 25 (2012), Heft 3, S. 28–31 (online)
- Beck, Ulrich. Der Hauptbahnhof Zürich – Verkehrsknotenpunkt und Objekt der Denkmalpflege, in: Denkmalpflege-Schweiz. 24.02.2014 (online)
- Kanton Zürich, Baudirektion, Amt für Raumentwicklung, Archäologie und Denkmalpflege. Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, AREV Nr. 1724/2019, Revision und Ergänzung, Stadt Zürich, Gleisfeld SBB, S. 19–34 (online)