
SBB-Zentralstellwerk
Adresse
4600 Olten
SO
In einer Zeit, als der öffentliche Verkehr kontinuierlich wuchs, entstand das Zentralstellwerk in Olten. Bereits während der Planung wurde die Möglichkeit einer zukünftigen Erweiterung berücksichtigt. Dies führte zur Wahl einer Modulbauweise. Zum Einsatz kam das System VE 66. Es hat den Vorteil, durch massive Stahlrahmen auch grosse Distanzen überspannen zu können. Im Inneren ist das Flächentragwerk in den grossen Räumen spürbar, da es nur wenige Stützen gibt. Das Stapeln und Verschmelzen der beiden in- und übereinanderliegenden Kuben prägen den von Furter und Henggeler entworfenen Bau.
Chronologie
Das von Oscar Furter und Aldo Henggeler entworfene Zentralstellwerk der SBB wurde 1978 fertiggestellt und als eines der ersten elektromechanischen Stellwerke der Schweiz in Betrieb genommen. Es diente bis 2015 als Schaltzentrale für den Regionalverkehr und wird seither als Verwaltungsgebäude genutzt. Die alte Funktion erfüllt heute ein Neubau, der sich nördlich auf der anderen Seite der Gleise befindet.
Lage
Das alte Zentralstellwerk befindet sich im nordöstlichen Bereich des Bahnhofs Olten. Es erstreckt sich entlang der wenig befahrenen Tannwaldstrasse, die von Norden nach Süden verläuft. Die Lage ist auf die Funktion abgestimmt, da der vorstehende Gebäudeteil einen optimalen Standort für die Überwachung und Steuerung des Streckennetzes bietet. Das Gebäude stösst an die südöstlich gelegene Wohnsiedlung Hardegg und nordöstlich an den Hardwald.
Beschreibung
Der Bau besteht aus zwei rechteckigen Körpern, die im rechten Winkel zueinander angeordnet sind. Der untere Kubus verläuft entlang der Strasse, während der quer gelagerte obere über die Tannwaldstrasse hinausragt. Die beiden Kuben sind zweigeschossig und verschmelzen in einer gemeinsamen Geschossfläche. Das erste Geschoss des oberen Kubus gliedert sich in die zweite Etage des unteren Kubus ein, wodurch eine Volumenüberlagerung entsteht. Der Zugang zum Gebäude erfolgt entgegen den Erwartungen nicht über die zur Strasse ausgerichtete Westfassade, sondern von Süden. Im Erdgeschoss befinden sich administrative Räume und Werkstätten, während im Obergeschoss die technischen Einrichtungen beherbergt werden. Im auskragenden Gebäudeteil befindet sich der Schaltraum mit einer dreiseitigen Fensterfront. Von dort aus wurde der Knotenpunkt Olten und das angegliederte Bahnnetz überwacht und gesteuert. Das oberste Geschoss bietet neben Büroflächen auch Lagerflächen. Dies ist an der differenzierten Fenstereinteilung im Aussenbereich ablesbar.
Durch die einheitliche Gestaltung der Fassade mit rostfarbenen Eternitplatten und grasgrünen Fensterbändern, entsteht ein homogenes Erscheinungsbild. Die klare, horizontale Linienführung, die durch die Verwendung von Aluminiumprofilen in der Fassade erzielt wird, verleiht dem Gebäude eine regelmässige visuelle Ordnung und macht die Modulbauweise spürbar. Die Fensterbänder fallen durch ihre Rahmenfarbe und den Einsatz von verspiegeltem Glas auf. Sie erstrecken sich über weite Bereiche der Fassaden und betonen dadurch, wie wichtig der Blick nach aussen ist.
Literatur
- Spielmann, Corinne. SBB-Zentralstellwerk Olten, in: ICOMOS suisse: System & Serie. Systembau in der Schweiz – Geschichte und Erhaltung (online)
- Sollberger, Raphael; Steiner, Ulrike. System & Serie: Systembau in der Schweiz – Geschichte und Erhaltung. Zürich 2022, S. 126–129
- Bähram, Alagheband. Das alte Oltner Stellwerk und sein tristes Dasein. 2016 (online)
- Pfister, Alfred; Henggeler, Aldo. Das neue Zentralstellwerkgebäude: ein anspruchsvoller Hochbau, in: Schweizer Ingenieur und Architekt 99 (1981), Heft 46, S. 1037–1044 (online)