Das Pneuhaus am Pilatusplatz ist einer der wenigen Vertreter des Neuen Bauens in Luzern und ein Pionierbau der Zeit im Bereich Gewerbebau. Typisch ist die differenzierte Gestaltung einzelner Gebäudeteile. Aussergewöhnlich ist, dass das Gebäude bis heute den gleichen Hauptnutzern dient.
Chronologie
1927 gründete Fritz Rieder die Pneumatikhaus AG. Das Reifenfachgeschäft wird heute in dritter und vierter Generation geführt. In den Jahren 1933 und 1935 wurde der erste Firmensitz abgerissen und durch einen Neubau von Anton Mozzatti ersetzt. Während sieben Jahrzehnten war das Pneumatikhaus mit einer bedienten Zapfstelle ausgestattet – eine der ersten Tankstellen in der Stadt Luzern. Im September 2016 musste die Tankstelle geschlossen werden, da die angrenzende Bushaltestelle Pilatusplatz verlängert wurde.
Lage
Das Pneumatikhaus befindet sich an der verkehrsreichen Obergrundstrasse und bildet den Kopfbau einer Häuserzeile im Süden am Pilatusplatz. Auf der Rückseite verläuft der Mühlebachweg. Hier ist der barocke Fachwerkbau der Spitalmühle (heute Musikschule) situiert, der inmitten der Neubauten als Solitär wahrgenommen wird. Die Autowerkstatt ist von der Nordseite aus zugänglich, die Obergeschosse des Pneumatikhauses werden auf der Ostseite erschlossen.
Beschreibung
Der sechsgeschossige Bau schliesst mit einem zurückversetzten Attikageschoss und fasst damit 3’000 Quadratmeter Bürofläche und 5’400 Quadratmeter Gewerbefläche. Die Ladenlokale im Erdgeschoss sind mit einem umlaufenden Vordach zusammengefasst. Auf der Rückseite geht das Vordach in einen Vorbau über, in dem sich die Autowerkstatt befindet. Diese ist mit vier grossen Garagentüren versehen. Ein weiteres Garagentor befindet sich an der Nordfassade. Unmittelbar über dem Vordach setzen grosse Fensterflächen an. Die folgenden vier, mit schlichten Gesimsen zusammengefassten Geschosse sind nahezu identisch gestaltet: Die Putzfassade ist auf der Ostseite mit vierteiligen Fenstern gerastert. Der geschossübergreifend durchfensterte Treppenturm wird von Balkonen flankiert. An der mit lediglich dreiteiligen Fenstern versehenen Stirnseite ist ein überlebensgrosses Portrait des hl. Christopherus, dem Schutzpatron der Reisenden, angebracht. Das Attikageschoss ist mit einem filigranen Drahtgittergeländer gefasst, das in einem eigentümlichen Kontrast zum flachen Walmdach steht.
Literatur
- Knobel, Roland. Pilatusplatz: Riegelbau muss geplantem Hochhaus weichen, in: Luzerner Zeitung 3/2017
- Pionier-Tankstelle muss ÖV weichen, in: Luzerner Zeitung 6/2016
- Gmür, Otti. Architekturführer Luzern. Spaziergänge durch Raum und Zeit. Luzern 2003, S. 124
- Ineichen, Hannes; Zanoni, Tomaso (Hg.). Luzerner Architekten. Architektur und Städtebau im Kanton Luzern 1920–1960. Zürich/Bern 1985, S. 71
- Denkmalpflege und Archäologie (Hg.). Kantonales Bauinventar Luzern