
Ehemaliges Wohnhaus Hafter-Kottmann
Adresse
4500 Solothurn
SO
Die Architektur des Wohnhauses Hafter wird von strengen geometrischen Formen geprägt, die sich aus der zugrunde liegenden Systembauweise herleiten. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude beruht auf dem von Fritz Haller entwickelten System «Haller Mini» und vereint Funktionalität und Ästhetik auf meisterhafte Weise. Sein zeittypisches Erscheinungsbild verkörpert in seiner schlichten Eleganz die Ideale der Moderne. Die metallisch glänzende Fassade setzt den Bau durch Licht und Reflexionen in Szene.
Chronologie
Fritz Haller errichtete das Haus zwischen 1976 und 1977 für die Kunstsammlerin Edith Hafter-Kottmann. 2015 wurde es von einem Architektenpaar erworben und in ein Bürogebäude umgewandelt, wofür Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten erforderlich waren. Zu den Veränderungen gehört eine neu angelegte Einstellhalle unter dem Garten.
Lage
Das Haus befindet sich nordöstlich der Altstadt von Solothurn, innerhalb des Wohnviertels Fegetz. Weiter nördlich, entlang des Herrrenwegs erstreckt sich das weitläufige Areal der Kantonsschule. Das Haus Hafter steht im südlichen Teil der Fegetz-Allee und ist Teil der sogenannten Sphinxmatte. Der Eingangsbereich und die Einfahrt zur Einstellhalle liegen direkt an der Fegetz-Allee. Der Gebäudekomplex ist in der Südostecke des gut 2200 Quadratmeter grossen Grundstücks platziert und schirmt so den hinteren Teil des Gartens von der Strasse ab.
Beschreibung
Der Bau besteht aus zwei Kuben, die als Stahlkonstruktion ausgeführt sind. Beide besitzen einen quadratischen Grundriss von 12 Metern Seitenlänge, die sich aus der Modulgrösse von 1,2 Metern des verwendeten Bausystems ergibt. Der Eingang erfolgt über den einstöckigen Vorbau und wird von einem weit auskragenden Dach vor Wetter geschützt. Die Aussenfassaden des ganzen Hauses sind durch das Raster der schlanken Stahlstützen gegliedert. Dazwischen liegen gleichförmige, hochrechteckige Flächen, die entweder von Fenstern oder weissen Paneelen gefüllt werden. An den Ecken und in der Mitte der Süd- und Nordfassade des Wohnkubus reichen kräftigere vorgelagerte Profile über beide Geschosse. Das umlaufende U-Profil des Flachdachs schliesst den Bau mit einer markanten horizontalen Linie nach oben ab. Die Stahlkonstruktion ist mit einem Anstrich im Farbton «Weissaluminium» versehen. Er erzeugt einen dezenten metallischen Glanz, der sich je nach Lichteinfall und Tageszeit verändert.
Im Innern des Vorbaus befinden sich der Empfangsbereich sowie Gäste- und Arbeitszimmer. Ein verglaster Korridor führt von dort zum zweigeschossigen Wohnhaus. Seine beiden Geschosse, die eine Wendeltreppe verbindet, sind offen gestaltet und durch die Möblierung strukturiert. Das Obergeschoss verfügt über seitliche Galerien, ist bis auf ein Fenster auf der Südseite geschlossen und wird durch Oberlichter erhellt, die ein diffuses Licht erzeugen. Das Erdgeschoss hingegen besitzt in fast allen Himmelsrichtungen raumhohe Verglasungen.
Literatur
- Sollberger, Raphael; Steiner, Ulrike. System & Serie: Systembau in der Schweiz – Geschichte und Erhaltung. Zürich 2022, S. 66–69 und 135–137
- Zürcher, Christine. Behutsame Umnutzung eines Wohnhauses der Nachkriegsmoderne in Solothurn, in: Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Solothurns 21 (2016), S. 146–149 (online)
- Knaack, Ulrich u.a.. Systembau: Prinzipien der Konstruktion. Basel 2012, S. 33–35
- Haller, Fritz. Wohnhaus Hafter in Solothurn, in: Werk, Bauen + Wohnen 68 (1981), Heft 7/8, S. 51–53 (online)